Biontech – Corona-Impfstoffkandidat in letzter Testphase

Dafür gab es jetzt grünes Licht des Paul-Ehrlich-Instituts. Die Studie in Deutschland ist Teil der weltweiten Zulassungsstudie, die von Biontech (und Pfizer) im Juli gestartet wurde. „Eine große, kontrollierte Phase-3-Studie ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Sicherheit und Wirksamkeit eines Impfstoffs zweifelsfrei zu belegen“, erklärte Prof. Ugur Sahin, zusammen mit seiner Frau Dr. Özlem Türeci Gründer des Mainzer Biotech-Unternehmens Biontech. (Unser Video zeigt Dr. Türeci beim Ludwig-Erhard-Gipfel im Januar am Tegernsee, wo die Medizinerin über die Krebs-Forschungsstrategie des Unternehmens sprach.)

Die Studienteilnehmer erhalten entweder den Impfstoff oder ein Placebo. Die klinische Studie läuft weltweit in rund 120 Studienzentren. Bisher nahmen laut Ärzteblatt mehr als 25.000 Probanden teil. Bei einem erfolgreichen Verlauf der klinischen Studien solle im Oktober die behördliche Zulassung des Impfstoffs beantragt werden. Bis Ende des Jahres könnten dann bereits bis zu hundert Millionen Impfstoffdosen produziert werden. Bis Ende 2021 könnten gar mehr als 1,3 Milliarden Impfstoffdosen hergestellt werden.

Im SZ-Interview vom Sommer hatte Sahin das Prinzip der von Biontech entwickelten Impfstoffkandidaten wie folgt erklärt: Man packe ein Stück genetische Information des Coronavirus in die Boten-RNA und injiziere diese in kleinen Fettkapseln in einen Muskel der Probanden. Der Impfstoff täusche im Körper eine Virusinfektion vor und stimuliere die Bildung einer Immunantwort.

Diese Technologie funktioniere ähnlich wie Impfstoffe gegen Krebs, an deren Entwicklung BioNTech bisher vor allem arbeitete. Elf Produkte dieser Krebs-Impfstoffe befänden sich in der klinischen Phase. Wenn alles gut gehe, könne man in einigen Jahren die ersten Therapien gegen Krebs auf den Markt bringen. (Bis dahin gehöre man zu den „Cash Burn“-Unternehmen, so Özlem Türeci im Januar am Tegernsee)

Wie viel Geld für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen einen neuen Erreger gebraucht werde? Laut Sahin im Schnitt 1,5 Milliarden Dollar. Mit welchen Kosten für eine Impfdosis gegen das Coronavirus zu rechnen sei, wisse man noch nicht. Für die Herstellung brauche es große Mengen an Reagenzien, die deutlich teurer seien als Gold.