Türeci, Dr. Özlem

Die Biontech -Gründer Dr. Özlem Türeci und ihr Ehemann Prof. Uğur Şahin wurden am 19. März von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet. Dank ihrer weltweit anerkannten Kompetenz im Bereich der mRNA-Technologien und ihres unermüdlichen Einsatzes sei ihnen innerhalb kürzester Zeit die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffes gegen COVID-19 gelungen. Damit hätten sie einen entscheidenden Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie geleistet, hieß es in der Begründung für die Ordensverleihung.

Bei Türecis Besuch am Tegernsee im Januar vergangenen Jahres wurde Corona hierzulande noch eher als regionales Problem in China wahrgenommen. Die Forscher-Unternehmerin – die Medizinerin Türeci ist Medizin-Vorstand von Biontech – hatte beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2020 nur über die hochinnovative Ausrichtung des Mainzer Biotechnologieunternehmens und das damit verbundene hohe Risiko gesprochen.

Wer in ein Cash-Burn-Unternehmen (wie Biontech) Geld investiere, so Türeci damals, brauche viel Geduld und könne keineswegs sicher davon ausgehen, dieses Geld jemals wieder zurückzubekommen. Im Hinblick auf die Produktvision ihres Unternehmens unterstrich Türeci, man orientiere sich bei Biontech weniger daran, was gerade besonders chic sei, sondern habe vor allem das Thema Reembursement im Auge. „Was wir nämlich schon auf der Innovationsebene, auf der Ebene der Entwicklung des Medikaments machen können, ist zu fragen, wie stellen wir sicher, dass die Cost-of-Größen niedrig sind. D.h. von vornherein Medikamente zu entwickeln, wo klar ist, dass wir nachher in eine Riesenkostendiskussion hineinkommen, ist problematisch.“ Deshalb frage man bei Biontech: „Was lässt sich upscalen an neuen Technologien für Wirkstoffe, ohne kostenhochintensiv zu werden?“ Das sei eine besondere Herausforderung bei Individualisierung. „Denn Sie müssen sich ja vorstellen, Sie bauen da nicht nur einen 2.000-Liter-Kanister, um ganze Volkswirtschaften zu versorgen, sondern Sie müssen hochparallelisierte, miniaturisierte Produktionsanlagen haben. Das ist dabei die Herausforderung. Hier können wir bereits auf unserer Ebene ansetzen, ohne schon am Markt zu sein.“

Die Erkenntnisse aus den Forschungen zu Immuntherapien gegen Krebs kamen Türeci und Şahin (Biontech-CEO) für die Entwicklung ihres Impfstoffes BNT162b2 gegen Covid-19 zugute. Auch dabei hatte das Forscherehepaar viel riskiert, baute man doch auf die bis dahin noch fast unbekannte mRNA-Technologie. Wie es in Joe Millers Buch „Projekt Lightspeed. Der Weg zum BioNTech-Impfstoff – und zu einer Medizin von morgen“ heißt, hätte ein Scheitern ihres Impfstoffentwicklungsprojektes das Aus für Biontech bedeuten können. Man habe zunächst 500 Millionen Euro Schulden gehabt und der US-Konzern Pfizer sei zunächst nicht an einer Zusammenarbeit interessiert gewesen. Den Entschluss, das Projekt überhaupt anzugehen, soll Şahin am 25. Januar 2020 – also 9 Tage nach Türeci ’s Besuch am Tegernsee – gefasst haben. Einen Tag später soll das Rohdesign für die ersten 8 Impfstoffkandidaten fertig gewesen sein. Nachdem dann am 9. November 2020 „die ganze Welt“ von den „hervorragenden“ Daten der entscheidenden klinischen Studie erfahren hatte, wurde die Aktiengesellschaft Biontech bald so wertvoll wie der 157 Jahre alte Aspirin-Produzent Bayer.

Die Wirkungsweise des Biontech-Impfstoffs erklärt Şahin, Professor für experimentelle Onkologie an der Universität Mainz, in einem weiterem Video (ab TC 10.20 Min.). Der heute 56-Jährige war 2019 mit dem Deutschen Krebspreis ausgezeichnet worden. Türeci (im Biontech-Video ab 8.04 Min.) ist Vorsitzende und Mitinitiatorin der gemeinnützigen Organisation Ci3 (Clusterinitiative für Individualisierte Immunintervention/ Infos im Biontech-Video ab 6.25 Min.) und Vorstandsmitglied der Association for Cancer Immunotherapy (CIMT/ im Video ab 7.20 Min.).

Zu den langjährigen Unterstützern von Türeci und Şahin gehören übrigens die Hexal-Gründer Andreas und Thomas #Strüngmann​ . Als die Zwillingsbrüder vom Tegernsee ihre Holzkirchner Pharma-Firma verkauften, investierten sie 150 Millionen Euro in das erste von Türeci und Şahin gegründete Unternehmen.

Kommenden Freitag (17.9.2021) werden Türeci und Şahin im Kölner Treff zu Gast sein – laut Moderatorin Bettina Böttinger ihr erster gemeinsamer Besuch in einer Talk-Show. Dort könnte zur Sprache kommen, dass beide wohl bis heute kein Auto und keinen Fernseher besitzen. Man wird möglicherweise außerdem hören, wie das Paar sich kennengelernt hat – in den 1990er Jahren am Universitätsklinikum Homburg. Beide könnten erzählen, wie sie gleich nach der standesamtlichen Trauung 2002 direkt wieder ins Labor gingen, dass die Wochenenden der 3-köpfigen Mainzer Familie eher als „Wissenschaftstage“ gelten (ein Scherz der Tochter) und die Urlaube ähnlich wissenschaftlich verlaufen, verbunden mit intensivem Sportprogramm.