LOHC – Wasserstoffwirtschaft soll in Bayern zehntausende Jobs schaffen

„Wir streben nach Technologieführerschaft“, so Prof. Peter Wasserscheid in der Merkur-Pfingstausgabe zur neuen #Wasserstoffstrategie Bayerns. Wie Wasserscheids Forscher-Partner Prof. Wolfgang Arlt in unserem Video erläutert, wird es dabei nicht zuletzt darauf ankommen, ökologisch erzeugten („grünen“) Wasserstoff in großen Mengen etwa aus Ländern wie Marokko oder Island gefahrlos nach Deutschland zu transportieren. Ein Team um Wasserscheid und Arlt hatte dafür von Ilse Aigner, damals noch bayerische Wirtschaftsministerin, einen entsprechenden Entwicklungsauftrag erhalten. Das Ergebnis: #LOHC .

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Arlt, bis zu seiner Emeritierung 2018 Inhaber des Lehrstuhls für Thermische Verfahrenstechnik an der Universität Erlangen – Nürnberg, erläutert in unserem Videobeitrag u.a. , wie die LOHC-Technologie seiner Einschätzung nach Benzin und Diesel umweltfreundlicher ersetzen könnte.

Autos mit Verbrennungsmotor zu (fast) emissionsfreien Fahrzeugen zu machen, ist laut Prof. Arlt ein mögliches Anwendungsbeispiel für die LOHC-Technologie, (liquid organic hydrogen carrier) , die eine effiziente und völlig gefahrlose Speicherung von Wasserstoff erlaube, ebenso wie einen verlustfreien Transport erneuerbarer Energie über lange Strecken, etwa aus dünn besiedelten Regionen mit guten Voraussetzungen für ertragreiche Windkraft- oder Solaranlagen in dicht besiedelte und hochindustrialisierte Regionen. Prof. Arlt erklärt die Technologie anhand der beiden Flüssigkeiten LOHCplus (rechts im Startbild) und LOHCminus (gelbe Flüssigkeit links). (Bis 2021 soll übrigens die weltweit erste LOHC-Tankstelle aufgebaut werden – ein Ziel des Wasserstoffbündnis Bayern )

Zum Verständnis der LOHC-Technologie empfehlen wir Ihnen auch das Video, das bei der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises am 28.11.2018 in Berlin eingespielt wurde. Damals wurden Prof. Arlt und seine Kollegen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den „Kreis der Besten“ des Deutschen Zukunftspreises aufgenommen.

Wie der Merkur an Pfingsten weiter berichtete, will Bayern über 100 Millionen Euro (die Süddeutsche Zeitung spricht von 50 Millionen für die „bayerische Wasserstoffstrategie“) in den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft stecken, um damit „allein im Freistaat einige zehntausend neue Jobs (zu) schaffen“. Es gelte jetzt schnell zu handeln, bestehende Wissensvorsprünge zu nutzen und Standards für die Wasserstofftechnologie zu setzen, die international eine große Zukunft habe. Wie die SZ an Pfingsten weiter berichtet, soll noch 2020 erstmals bayerische Brennstoffzellen-Technologie in einem Lkw auf die Straße kommen. Gehe es nach dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, solle Made in Bavaria zum „Wasserstoff-Gütesiegel“ werden.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft „mit Milliarden“ fördern. „Wir brauchen ein Cape Canaveral des Wasserstoffs in Deutschland“ (Quelle: Funke Mediengruppe/ Merkur vom 2. Juni 2020) Bis 2025 solle eine Innovationsoffensive „Wasserstoffrepublik Deutschland“ umgesetzt werden. Potenziale gebe es etwa bei der Herstellung synthetischer Kraftstoffe und dort, wo in absehbarer Zukunft nur mit großem Aufwand eine Versorgung direkt mit Strom möglich wäre.

Im Zugsektor bleibt die LOHC-Technik ein Thema, das die Staatsregierung vorantreiben will. Das hat uns das bayerische Verkehrsministerium am 15. April 2020 auf unsere Nachfrage hin mitgeteilt. In den nächsten Jahren werde das Helmholtz Institut Erlangen-Nürnberg mit rund 25 Millionen Euro Forschungsfördermitteln unterstützt, damit dort ein Prototyp für diese Anwendungstechnik im Schienenbereich entwickelt werde. Diesen Prototyp werde es aber aller Voraussicht nach frühestens in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts geben. Selbstverständlich solle diese Weltneuheit dann auch in Bayern getestet werden. Wie es in dem Schreiben des Verkehrsministeriums in München weiter heißt, habe der Ministerrat 2018 im Rahmen der von ihm beschlossenen Bayerischen Elektromobilitätsstrategie Schiene beschlossen, die Strecke Augsburg – Füssen und ggf. noch die Stichstrecke nach Eichstätt für ein LOHC-Pilotprojekt im Schienenpersonennahverkehr vorzusehen.

Für das Netz der Bayerischen Oberlandbahn werde eine Elektrifizierung vorangetrieben, derzeit liefen bereits die Vorplanungen. Für dieses Streckennetz mit seiner dichten Taktung und der bereits vorhandenen Oberleitung zwischen Holzkirchen und München sei dies die verkehrlich sinnvollste und wirtschaftlichste Lösung.

Sehen Sie dazu auch unseren Videobeitrag zum Strategiegespräch mit der damals zuständigen bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Kommunalvertretern aus der Region.