LOHC – Technologie bekommt Förderung aus 8-Milliarden-Euro-Topf für Wasserstoffprojekte in Deutschland

Der oberbayerische Wasserstoffspezialist Hydrogenious, eine Ausgründung der FAU-Universität Erlangen-Nürnberg, wo die Technologie entwickelt wurde, will mit dem Fördergeld am Wasserkraftwerk Töging grünen Wasserstoff erzeugen und damit das Trägermedium #LOHC umweltfreundlich mit Energie anreichern. Mit Hilfe der #LOHCTechnologie kann Energie auf ähnlichen Wegen transportiert werden, wie sie bisher für den Transport des fossilen Energieträgers Öl genutzt werden. (Ob der traditionelle Verbrennungsmotor dadurch „gerettet“ werden könnte, dass er statt mit fossilen Energieträgern mit LOHC gefüllt werden könnte, ist kaum noch ein Thema.*)

Das Prinzip der LOHC-Technologie (liquid organic hydrogen carrier) erklärte uns einer der Entwickler, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Arlt, anhand zweier Flaschen – LOHCplus (rechts im Startbild, angereichert mit Wasserstoff) und LOHCminus („verbrauchte“ gelbe Flüssigkeit links im Startbild, enthält keinen Wasserstoff mehr). Wie in „Pfandflaschen“ könne Wasserstoff damit „effizient und völlig gefahrlos“ transportiert werden, so Arlt im Lawiki.bayern-Video vom 17.10.2017. LOHC ermögliche einen verlustfreien Transport grüner Energie über lange Strecken, beispielsweise aus dünn besiedelten Regionen mit guten Voraussetzungen für ertragreiche Windkraft- oder Solaranlagen in dicht besiedelte und hochindustrialisierte Regionen. (Für den globalen Wasserstofftransport über große Distanzen bieten sich neben dem flüssigen organischen Wasserstoffträger LOHC zwei weitere Optionen an, die ebenfalls auf in flüssigem Zustand gespeichertem Wasserstoff basieren: flüssiger Wasserstoff (LH2) und Ammoniak (NH3). Vgl. die DLR-Studie „Wasserstoff als ein Fundament der Energiewende. Teil 1: Technologien und Perspektiven für eine nachhaltige und ökonomische Wasserstoffversorgung“ von September 2020, S. 24ff.)

Zum Verständnis der LOHC-Technologie empfehlen wir Ihnen auch das Video, das bei der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises am 28.11.2018 in Berlin eingespielt wurde. Damals wurden Prof. Arlt und seine Kollegen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den „Kreis der Besten“ des Deutschen Zukunftspreises aufgenommen.

Bayern will mehr als 50 Euro in den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft stecken, um damit allein im Freistaat einige zehntausend neue Jobs zu schaffen. Man will jetzt schnell handeln, um bestehende Wissensvorsprünge zu nutzen und Standards zu setzen für die Wasserstofftechnologie, der man international eine große Zukunft zutraut. Noch 2020 soll erstmals bayerische Brennstoffzellen-Technologie in einem Lkw auf die Straße kommen. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger setzt sich für ein „Wasserstoff-Gütesiegel“ ein.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek denkt gar an eine Förderung in Milliardenhöhe, um den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft voranzubringen. Deutschland brauche ein „Cape Canaveral des Wasserstoffs“. Bis 2025 solle eine Innovationsoffensive „Wasserstoffrepublik Deutschland“ umgesetzt werden. Potenziale gebe es etwa bei der Herstellung synthetischer Kraftstoffe und dort, wo in absehbarer Zukunft nur mit großem Aufwand eine Versorgung direkt mit Strom möglich wäre.

*Dr. Gert Tjarks, NOW GmbH : Power-to-Liquid-Verfahren erlaubt, „in der Theorie“ emissionsfrei flüssigen Kraftstoff wie Benzin, Diesel oder sogar Kerosin herzustellen, der wegen seiner hohen Energiedichte im Hinblick auf die Fahrdistanz/Reichweite „unschlagbar“ ist; der Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren ist jedoch gering -> mit hohem Aufwand synthetisch hergestellten Kraftstoff „sehr ineffizient“ verbrennen, macht deshalb in großem Maßstab keinen Sinn (im Video etwa bei TC 16 Min.)

Im Zugsektor bleibt die LOHC-Technik ein Thema, das die Staatsregierung vorantreiben will. Das hat uns das bayerische Verkehrsministerium am 15. April 2020 auf unsere Nachfrage hin mitgeteilt. In den nächsten Jahren werde das Helmholtz Institut Erlangen-Nürnberg mit rund 25 Millionen Euro Forschungsfördermitteln unterstützt, damit dort ein Prototyp für diese Anwendungstechnik im Schienenbereich entwickelt werde. Diesen Prototyp werde es aber aller Voraussicht nach frühestens in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts geben. Selbstverständlich solle diese Weltneuheit dann auch in Bayern getestet werden. Wie es in dem Schreiben des Verkehrsministeriums in München weiter heißt, habe der Ministerrat 2018 im Rahmen der von ihm beschlossenen Bayerischen Elektromobilitätsstrategie Schiene beschlossen, die Strecke Augsburg – Füssen und ggf. noch die Stichstrecke nach Eichstätt für ein LOHC-Pilotprojekt im Schienenpersonennahverkehr vorzusehen.

Für das Netz der Bayerischen Oberlandbahn werde eine Elektrifizierung vorangetrieben, derzeit liefen bereits die Vorplanungen. Für dieses Streckennetz mit seiner dichten Taktung und der bereits vorhandenen Oberleitung zwischen Holzkirchen und München sei dies die verkehrlich sinnvollste und wirtschaftlichste Lösung. Sehen Sie dazu auch unseren Videobeitrag zum Strategiegespräch mit der damals zuständigen bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Kommunalvertretern aus der Region.