ÖMR – warum hat sich der Landkreis Miesbach beworben?

Fast ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Miesbach produziere nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus, so Dr. Stefan Gabler, der seinerzeit als Mitarbeiter im bayerischen Landwirtschaftsministerium an der Entwicklung des Projekts #ÖkoModellregion beteiligt war, 2016 in unserem Videointerview. Bis Februar 2017 – also auch zur Zeit unserer Aufnahme – war Gabler Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft u. Forsten in Holzkirchen und hatte dort die Bewerbung des Landkreises Miesbach als Öko-Modellregion initiiert. Laut Gabler ist die Region nicht nur bundesweiter Spitzenreiter im ökologischen Landbau, die Betriebe arbeiteten hier auch in sehr kleinen Strukturen. 23 Kühe (Stand von 2016) hielten die Bauern hier im Schnitt, bayernweit seien es 34 Kühe, bundesweit gar 50. Ohne eine besondere Wertschöpfung könnten die hiesigen Landwirte nur schwer überleben. Dabei setzten gerade sie sich besonders für die Erhaltung unserer „wunderschönen Kulturlandschaft“ ein. Gabler wörtlich: „Wenn ein Verbraucher einen Liter Milch von Miesbacher Bauern kauft, kauft er nicht nur ein hochwertiges Lebensmittel, er kauft auch Landschaft!“ Von den Leistungen der Bauern profitierten alle Bürger – Touristen wie Einheimische. Diese Leistungen könnten Bauern mit kleinen Höfen und entsprechenden Wettbewerbsnachteilen auf Dauer nur erbringen, wenn sie etwa ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse selbst weiter verarbeiteten statt diese Wertschöpfung anderen zu überlassen.

Ein Beispiel (Anmerkung der Redaktion): die Naturkäserei Tegernseer Land e.G. In dieser Genossenschaft haben sich Bauern aus der Region zusammengeschlossen und produzieren aus ihrer Milch Käse. Mit diesem weiterverarbeiteten Produkt können sie höhere Preise erzielen als für ihre Milch.

Die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland ist laut Gabler jedoch mehr als ein Projekt für die Landwirtschaft. Alle 17 Gemeinden des Landkreises, berichtete der Agrarwissenschaftler in unserem Videointerview 2016, wollten sich überlegen, wie nachhaltig gewirtschaftet und gehandelt werden könne. Dabei denke man z.B. an Geothermie zur nachhaltigen Energiegewinnung und an Blühflächen auf gemeindlichen Grundstücken. Beide Projekte sind inzwischen im Landkreis bereits umgesetzt. 2016 war außerdem von einem Öko-Pakt die Rede, in dem sich die Gemeinden, Vereine und Bürger des Landkreises zu weiter gehenden Beiträgen hin zu einer nachhaltig gestalteten Zukunft in der Region verpflichten sollten.

Eine Selbstverpflichtung in diesem Sinne ging zum Beispiel das Gesundheits- und Umweltreferat der Stadt München ein. Unter dem Motto „Umweltschutz mit Messer und Gabel“ wurde den städtischen Verpflegungseinrichtungen vorgeschrieben, zu einem bestimmten Anteil Bio-Produkte aus der Region einzukaufen .

An eine ähnliche Verpflichtung könnte man etwa für die Einkäufer der Küche des Krankenhauses Agatharied oder der Frischeküche Holzkirchen denken. Letztere produziert bis zu 1.900 Essen pro Tag für Kitas, Kindergärten und Schulen – laut Merkur-Angaben schon heute mit einem hohen Anteil an #BioRegio -Produkten.

Werbung für die Produkte der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland macht #ÖMR -Managerin Stephanie Stiller inzwischen z.B. mit dem #Genusskisterl . Statt beliebiger Präsentkörbe können die Kommunalpolitiker der Region seit kurzem kleine Holzkisten gefüllt mit Produkten aus der Öko-Modellregion verschenken. Mindestens 50 Prozent bio-regionale Lebensmittel müssen in den Genusskisterln enthalten sein, den Rest dürfen „hochwertige regionale Produkte“ (vgl. Merkur vom 13.8.2020) ausmachen. Auch die Holzkisten selbst kommen aus der Region. Sie werden von der Schreinerei in den Oberlandwerkstätten aus heimischem Holz hergestellt. Unter den Anbietern des ÖMR-Genusskisterls sind „machtSINN“ in Holzkirchen und die Naturkäserei TegernseerLand in Kreuth . Stephanie Stiller und ihre Mitarbeiterin Kathleen Ellmeier freuen sich über weitere Direktvermarkter und Händler, die sich am Projekt „Genusskisterl“ beteiligen wollen. Eines steht fest: Die Bürgermeister und der Landrat im Landkreis Miesbach unterstützen mit jedem verschenkten Kisterl die bäuerlichen Familienbetriebe der Region. Gleiches gilt natürlich für Unternehmen, Vereine und Privatpersonen, die vom üblichen Präsentkorb auf ÖMR-Genusskisterl umschwenken.

Bei ihren Besuchen in den Gemeinderäten des Landkreises wirbt Stephanie Stiller auch für ein weiteres Anliegen der Öko-Modellregion, die #Ernährungsbildung . Gerade in Schulen und Kindergärten sei es wichtig, ein Bewusstsein für Lebensmittel aus der Region zu schaffen.

Eine gute Nachricht für Fleischerzeuger aus der Öko-Modellregion, die zuletzt darunter klagten, nur schwer einen Metzger für die stressfreie Schlachtung zu finden: Der Metzgermeister #MirkoGöttfert, neuer Pächter der ehemaligen Metzgerei Walch in Kreuth, führt nun ebenfalls Schlachtungen durch. Bei ihm gebe es keinen Massentransport, keinen Trieb durch die Gasse. Der jeweilige Bauer selbst sei dabei, wenn sein Tier von einem plötzlichen Schuss getötet werde. Bis zu 8 Schlachtungen könne Göttfert so pro Woche durchführen, heißt es im Merkur-Artikel von Christina Jachert-Maier. Mit der Initiative #BiokalbOberland arbeite der 52-Jährige bereits zusammen.